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Die Referendarin der 7. Klasse an der Erich Kästner Schule las den Schülerinnen und Schülern einen Auszug aus dem Roman "Behalt das Leben lieb" vor, in dem dem 13-jährigen Berend klar wird, dass seine Augen bei einem Autounfall verletzt wurden und dass er nicht mehr sehen können wird. Die Schüler haben dabei die Augen geschlossen und versucht, sich in seine Situation hinein zu fühlen.

Im Anschluss an die Geschichte wurde darüber gesprochen, wie es Berend jetzt wohl geht, wie sie selbst in dieser Situation reagieren würden, was sie Berend bei einem Besuch im Krankenhaus sagen würden und was sich in seinem Alltag wohl künftig verändern wird.

Schließlich versuchte die Klasse mögliche Schwierigkeiten im Alltag eines blinden Menschen nachzuvollziehen. In Zweiergruppen (ein Schüler mit Augenbinde, einer als Hilfe) haben die Schüler Stationen bearbeitet, wie zum Beispiel: sich ein Brot schmieren und es essen, Fruchtzwerge essen und die Geschmacksrichtung erraten, Münzen ertasten, sich ein Glas Wasser einschenken und es trinken, verschiedene Haushaltsgegenstände ertasten, einen Faden in eine Nadel einfädeln, Geschirr spülen, sich im Schulhaus orientieren. Dabei waren die Schüler überraschend verantwortungsbewusst.

Als Hausaufgabe sollten sie zu Hause mit einem Freund oder Familienmitglied fernsehen, wobei einer dabei die Augen geschlossen halten und der andere erklären sollte, was zu sehen war. Außerdem sollten sie in ihrer Fernsehzeitschrift nach Hörfilmen suchen. Hierbei fiel den Schülern auf, dass nur wenige Hörfilme für Blinde ausgestrahlt wird und sie meistens sehr spät gesendet werden.

Nach dieser Vorarbeit wurde eine blinde Frau eingeladen. Sie berichtete über die Problematik im Alltag und brachte verschiedene Hilfsmittel als Anschauungsmaterial mit, wie z. B. sprechende Uhren Spielkarten und Würfel für Blinde, Blindenlangstock, Hilfen zum Erkennen des Geldes, Blindenschriftbuch und vieles mehr. Die Klasse konnte auch Fragen an die blinde Frau stellen, welche ihnen ausführlich beantwortet wurden. Zum Abschluss erhielten die Schüler/ innen ein Namenskärtchen in Blindenschrift und zum überprüfen noch ein Blindenschriftalphabet.

Die Klasse hatte neue Einblicke in die Welt des Blinden gewonnen und wird sicherlich interessante und kreative Plakate erarbeiten. Ein weiterer Schwerpunkt wird der richtige Umgang mit sehbehinderten und blinden Menschen sein. Durch Rollenspiele sollen Unsicherheiten abgebaut werden und ein respektvoller Umgang erfahren werden. Durch die lehrreichen Erfahrungen werden die Schülerinnen und Schüler in der Zukunft sicher offen auf blinde Menschen zugehen um ihnen Hilfestellung anzubieten.

"Blinden-Date"




Bilder und Texte über den Besuch einer blinden Frau in der 7. Klasse

Frau Becker mit Puppe




Die blinde Frau hält zur Erklärung der Blindenschrift eine Puppe, welche sechs Knöpfe in ihrem Bauch hat, in der Luft. Daneben steht eine Kiste mit verschiedenen Materialien. Im Hindergrund ist eine Schultafel zu erkennen.

Jungs mit Buch




Thomas ertastet die Erhebungen im Braille-Buch. Markus, Dennis und Julius schauen ihm dabei interessiert zu.

Mädels mit Sockenhalter




Jessica, Sara und Jaqueline betrachten den Sockenhalter. Sara hält den Sockenhalter in der Hand und sieht dabei etwas ratlos aus. Jessica und Jaqueline schauen ihr interessiert zu.

Erfahrungsbericht eines Schülers aus der 7. Klasse an der Erich-Kästner Schule

Blinder Besuch


Da wir im Unterricht das Thema "Blindheit" haben, lud Fr. Horn die blinde Frau Becker ein, die sie über das Internet angeschrieben hatte. Sie hatte sie über die Seite der Selbsthilfegruppe "Blickpunkt" in Karlsruhe gefunden - das ist eine Gruppe für blinde und sehbehinderte Menschen in Karlsruhe.

Frau Becker war schon an mehreren Schulen in Karlsruhe und hat sich bereit erklärt, uns von ihrer Krankheit zu erzählen und zu erklären, wie das ist, wenn man nichts sehen kann. Wir haben uns am Tag davor Fragen überlegen dürfen, die wir ihr stellen wollten.

Frau Becker begann zu erzählen, wie es dazu kam, dass sie blind wurde. Sie sagte, dass sie am Anfang normal sehen konnte wie jeder andere auch. Doch sie bekam dann eine Krankheit, die in ihre Netzhaut im Auge immer mehr Löcher rein machte, bis sie fast gar nichts mehr sah.

Sie erzählte so ausführlich, dass fast alle Fragen schon beantwortet wurden. Nach dem Mittagessen packte sie dann ihre Sachen aus: Zwei sprechende Uhren, einen Kalender zum Fühlen, ein Blindenbuch und dann noch zwei Geräte, die sie für Geld braucht (eins zum Erkennen der Scheine und eins zum Aufbewahren der Münzen). Sie hat uns auch etwas mitgebracht, nämlich das Blinden-ABC, einen Comic und sogar für jeden noch seinen eigenen Namen in Blindenschrift. Das war sehr nett von ihr.

Wir bedanken uns, dass sie da war. Es war ein schönes Erlebnis, mit ihr zu reden, denn sie redete ja über ein Problem, das sie für immer hat. Sie war sehr offen. Das könnte ich nicht.
Julius W.


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