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Blindes Vertrauen

Wie Blinden und körperlich Behinderten das Reisen am Flughafen erleichtert werden kann.

Tock, Tock, Tock, der lange weiße Stock in der rechten Hand schlägt an etwas Hartes. Hier wird also eine Wand sein. Weiter grade aus, immer entlang der Wand, so müsste es klappen. Dem hektischen Stimmengewirr und den vielen Lautsprecherdurchsagen nach zu urteilen, ist soeben ein verspäteter Zug eingetroffen. Dann kommt der erste Luftzug von Links, hier sind also die Gleise eins und zwei. Jetzt nur noch die Treppen hoch und dann ist es geschafft - mit dieser Geschichte ihres Wegs durch den Karlsruher Bahnhof wollte Gabriele Becker den Teilnehmern der Sicherheits-Schulung zum Umgang mit körperlich Behinderten und Blinden am Badener Airpark einen Einblick geben in ihre Welt.
br> Gabriele Becker und ihr Mann Günther Becker leiden an der Krankheit Retinitis Pigmentosa, die die beiden vollständig hat erblinden lassen. Bis auf die Unterscheidung von hell und dunkel ist ihr Sehvermögen gänzlich erloschen. Das erblindete Ehepaar hat sich zum Ziel gemacht ihre Erfahrungen weiterzugeben, um mehr Verständnis für Blinde zu generieren. Daher gründeten sie die Selbsthilfegruppe Blickpunkt und geben in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz Kreisverband Karlsruhe e. V. regelmäßig Schulungen zum Umgang mit Blinden und körperlich Behinderten. Die DRK-Schulung des Sicherheitspersonals aus dem Check-In Bereich des Badener Airports gehört auch zu diesem Portfolio. Sie fand am 21.Januar 2017 bereits zum zweiten Mal in den Gebäuden des Badener Flughafens statt. Hans Kleebauer, ehemaliger Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Rottweil und derzeit ehrenamtlicher Organisator von DRK Kooperationen sowie Bärbel Witt, Pflegedienstleiterin der Badischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz e.V. haben die ganztägige Schulung ins Leben gerufen, damit beeinträchtigten Personen das An- und Abreisen am Flughafen so angenehm wie möglich gemacht werden kann.

Um ebendies durch das Check-In-Personal zu gewährleisten, mussten erst einmal die theoretischen Basics erlernt werden. Dazu übernahm Frau Witt zunächst das Wort und erklärte den zwölf Check-In Mitarbeiterinnen unter anderem, wie man Menschen im Rollstuhl am besten anspricht. Denn die Ansprache bzw. die gesamte Konversation ist von großer Bedeutung. Dabei ist besonders wichtig, die Rollstuhlfahrer erst aktiv zu fragen, wie man ihnen helfen kann, bevor man voreilig auf sie zustürmt. Auch sollte sich darangehalten werden, dass jede Hilfestellung vorher angekündigt und mit dem Rollstuhlfahrer abgesprochen wird, damit dieser zu jeder Zeit weiß, was gerade mit ihm passiert. Des Weiteren wurde die Grundausrüstung von Rollstühlen und anderen Hilfsmitteln ausführlich besprochen. Am Badener Flughafen stehen diverse Hilfsmittel wie Rollstühle, ein induktives Hörgerät sowie ein noch ausbaufähiges Leitsystem für Blinde von der Bushaltestelle vor dem Flughafen bis hin zum Informationsschalter zur Verfügung.

Im zweiten theoretischen Teil nahmen Frau und Herr Becker die Teilnehmer mit vielen spannenden Geschichten aus ihrem Alltag und einem eindrucksvollen Film mit in ihre Welt. Neben verschiedenen Krankheiten, die Blindheit verursachen können, wurden vor allem wichtige Verkehrszeichen wie das Verkehrsschutzzeichen der Blinden, die weißen Blindenstöcke, der Blindenführhund und die Blindenampel ausführlich besprochen. Besonders interessant war das spontane Referat von Herrn Becker über die Handynutzung. Ja, richtig gelesen: Herr und auch Frau Becker besitzen beide ein Handy. Wie geht das, fragen sich nun viele berechtigt. Das I-Phone verfügt über eine „Voice-Over“-Einstellung, die sämtliche Apps mit Sprache unterlegt. So liest das Handy beispielsweise Whatsapp-Nachrichten oder Mails ganz einfach laut vor und lässt sich gleichzeitig per Sprachbefehle auch steuern.

Nach dem umfassenden theoretischen Einblick, hatte jede Check-In-Mitarbeitern die Chance einmal selbst die Rolle eines Rollstuhlfahrers sowie eines Blinden einzunehmen, damit sie im Umgang mit diesen sensibilisiert werden. In Partnerarbeit mussten dazu verschiedene Stationen absolviert werden. Unter anderem ein Rollstuhl-Parcours und verschiedene Aufgaben, die mit verbundenen Augen gemacht werden mussten.

Die Schwierigkeit bestand darin, dass man sich voll und ganz auf seinen sehenden Partner verlassen musste. Anschließend wanderte die Seminar-Truppe in die Eingangshalle des Flughafens und vollzog im An- und Abreise Bereich einen Praxis-Check: Sind all die theoretischen Anforderungen überhaupt umsetzbar? Schnell wird klar, zwischen Theorie und der Praxis klafft ein Spannungsverhältnis. Vor allem der Zeit- und Personalmangel spielt hier eine große Rolle. Dieser schränkt die Check-In-Mitarbeiterinnen ein, sich so ausführlich und intensiv um die körperlich Behinderten und Blinden zu kümmern, wie es eigentlich nötig wäre. Hier wird jedoch vom Flughafen in Zusammenarbeit mit dem DRK nach passenden Lösungen gesucht. Beispielsweise haben die Check-In-Mitarbeiterinnen die Möglichkeit einen Pflegedienst anzurufen, der innerhalb von 20 Minuten da ist und das Flughafen Personal unterstützen kann. Weitere mögliche Maßnahmen werden in naher Zukunft ausgearbeitet und eingeleitet.

Wer sich für Schulungen mit körperlich Behinderten und Blinden interessiert, für den bietet das DRK in Zusammenarbeit mit dem Ehepaar Becker auch regelmäßig mehrstündige Seminare in Karlsruhe an.

Quelle:

Kira Marie Hetberg DRK Öffentlichkeitsarbeit


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